Antibiotika - Anwendung und Resistenzen

Wie werden Antibiotika richtig angewendet und was sind Resistenzen? Erfahren Sie mehr über den Zusammenhang zwischen der Bildung von Resistenzen bei Bakterien und dem Einsatz von Antibiotika. Informieren Sie sich, welchen Beitrag Sie selbst leisten können, um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten.

  • help Was sind Antibiotika?

    Antibiotika sind Arzneimittel, die das Immunsystem des Patienten bei der Bekämpfung von Infektionen unterstützen. Dies gilt, genauer gesagt, für Infektionserkrankungen, die durch Bakterien verursacht werden. Krankheiten, die durch Bakterien hervorgerufen werden, sind beispielsweise Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen.

    Es gibt aber auch Infektionen, die nicht durch Bakterien, sondern durch Viren entstehen. Dabei handelt es sich um Krankheiten wie zum Beispiel die Grippe oder den grippalen Infekt mit Schnupfen und Husten. Hier helfen Antibiotika nicht.

    Warum sind Antibiotika so wichtig?

    Antibiotika gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin. Mit ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert konnten erstmals Infektionskrankheiten behandelt werden, für die es bis dahin keine wirksame Therapie gab und die oftmals zum Tod führten (Tuberkulose, Typhus, Blutvergiftung). Kaum eine andere medizinische Entwicklung hat die Lebenserwartung so deutlich verbessert wie die der Antibiotika. Auch heute noch sind Antibiotika eines der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von Infektionskrankheiten. Wenn sie nicht mehr wirken, können bakterielle Infektionen wie beispielsweise eine Lungenentzündung viel häufiger einen tödlichen Verlauf nehmen.

    Wie wirken Antibiotika?

    Antibiotika können auf unterschiedliche Weise wirken. Sie können Bakterien abtöten, indem sie zum Beispiel ihre äußere Hülle, die Zellwand, zerstören. Oder sie können den Stoffwechsel des Bakteriums angreifen und damit verhin-dern, dass es sich vermehrt. Die zerstörten beziehungsweise geschwächten Bakterien können dann durch das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) bekämpft werden. Antibiotika wirken also wie „Hilfspolizisten“, die das Immunsystem des Menschen dabei unterstützen, Bakterien unschädlich zu machen.

    Einige Antibiotika greifen geziehlt nur bestimmte Bakterien an (sog. Schmalspektrumantibiotika). Andere, sogenannte Breitspektrumantibiotika, wirken gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterienarten – gerade sie sollten mit Bedacht eingestetzt werden. Menschliche Zellen werden nicht von Antibiotika angegriffen, da sie einen anderen Aufbau und einen anderen Stoffwechsel als Bakterien haben.

    Auch gegen Viren wirken Antibiotika nicht. Das liegt daran, dass Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben und auch ganz anders aufgebaut sind als Bakterien.

  • help Was sind Resistenzen?

    Bakterien verändern sich von Generation zu Generation und passen sich ihrer Umwelt ständig an. So können sie auch gegen die Wirkung von Antibiotika widerstandsfähig - also resistent - werden.

    Im Allgemeinen entstehen Resistenzen durch Veränderungen (Mutationen) im Erbgut der Bakterien oder durch die Aufnahme solcher veränderter Gene (Resistenzgene), die Mikroorganismen untereinander weitergeben können. Bakterien können mehrere Resistenzgene aufnehmen, die sie gegen verschiedene Antibiotika schützen. So entstehen sog. mehrfach- oder multiresistente Bakterien, die einer Vielzahl von Antibiotika widerstehen können und so eine enorme Bedrohung darstellen.

    Je mehr Antibiotika in der Medizin und in der Massentierhaltung eingesetzt werden, desto häufiger kann es passieren, dass veränderte Bakterien überleben und gegen Antibiotika resistent werden. In Ländern mit hohem Antibiotikaverbrauch treten mehr Resistenzen auf, als in solchen mit niedrigem Verbrauch.

    Das kann dazu führen, dass für Krankheiten, zu deren Bekämpfung Antibiotika benötigt werden, aufgrund der Resistenzen keine wirksamen Mittel mehr zur Verfügung stehen.

    Bereits jetzt sterben jährlich weltweit mehr als 700.000 Menschen an den Folgen von Antibiotikaresistenzen (WHO 2017). Auch in Europa führen Resistenzen mehr und mehr zu Therapieversagen, Todesfällen und steigenden Behandlungskosten. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht Deutschland zwar noch relativ gut da, aber auch bei uns nehmen Resistenzen von Jahr zu Jahr zu. Ursachen dafür sind:

    • zu hoher Verbrauch und zu unkritischer Einsatz von Antibiotika bei Erkrankungen, die kein Antibiotikum erfordern
    • ein zu häufiger Einsatz von Antibiotika mit breitem Wirkspektrum
    • eine falsche Anwendung verordneter Antibiotika z.B. durch fehlerhafte Einnahme
    • hoher Verbrauch und unkritischer Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung (industrielle Fleischmast von z.B. Schweinen oder Geflügel).

    Im Bereich der Medizin werden in Deutschland die meisten Antibiotika nicht im Krankenhaus, sondern im ambulanten Bereich eingesetzt. Allzu oft werden sie aber bei Erkrankungen verordnet, bei denen sie keinen Nutzen haben. Sei es, weil diese Erkrankungen nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht werden (gegen die Antibiotika wirkungslos sind) oder weil sie auch ohne dass Antibiotikum genauso schnell heilen (hohe Selbstheilungsrate).

  • help Was kann ich als Einzelperson tun, um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten?

    Wer Antibiotika mit Bedacht einnimmt, trägt dazu bei, Resistenzen zu vermeiden. Ein wichtiger Schritt hierfür ist, Antibiotika wirklich nur dann einzunehmen, wenn sie auch nötig sind, damit sie bei schweren bakteriellen Infektionen wie zum Beispiel Lungen- oder Hirnhautentzündungen auch weiterhin wirksam sind.

    Wenn Antibiotika verordnet wurden, ist es wichtig, diese solange wie nötig, aber auch so kurz wie möglich einzunehmen. Ggf. fragen Sie noch einmal in der Praxis nach, wie lange das Antibiotikum eingenommen werden soll.

Ratschläge

Hat es Sie erwischt? Dann finden Sie hier Informationen, was Sie bei unterschiedlichen Krankheitsbildern selbst tun können, um Ihre Beschwerden zu lindern, und wann der Einsatz von Antibiotika sinnvoll ist.

  • help Was hilft bei Erkältung?

    Husten, Schnupfen, Heiserkeit?

    Hierbei handelt es sich häufig um die typischen Symptome einer Erkältung (grippaler Infekt). Diese wird zumeist durch Viren ausgelöst und von Mensch zu Mensch mittels Tröpfcheninfektion zum Beispiel beim Niesen oder über die Hände übertragen. Die Erkältungssymptome entstehen durch eine Entzündung in den Schleimhäuten der Atemwege. Diese wird durch die Viren, die sich in der Schleimhaut vermehren, hervorgerufen.

    Was kann ich selbst tun?

    In den meisten Fällen ist das Immunsystem stark genug, so dass eine medikamentöse Behandlung nicht erforderlich ist. Insbesondere die Anwendung von Antibiotika ist nicht sinnvoll, da diese nur gegen Bakterien – nicht aber gegen Viren - wirksam sind.

    Um das Immunsystem bei der Heilung zu unterstützen und um Ihre Symptome und Beschwerden zu lindern, können Sie Folgendes tun:

    • Schonen Sie sich. Ruhen Sie sich aus. Schlafen Sie genug.
    • Trinken sie viel.
    • Essen Sie viel Obst.
    • Machen Sie ein Dampfbad oder führen Sie Nasenspülungen durch.
    • Inhalieren Sie (Achtung, verbrennen Sie sich dabei nicht!)
    • Gurgeln Sie z.B. mit Kamillen- bzw. Salbeitee oder Salzwasser.
    • Lutschen Sie zuckerfreie Bonbons, um die gereizten Schleimhäute anzufeuchten.
    • Machen Sie Hals- oder Brustwickel.
    • Bei Fieber: Machen Sie Wadenwickel.
    • Nehmen Sie vorübergehend abschwellende Nasentropfen.
    • Bei starkem Krankheitsgefühl, Schmerzen oder Fieber können Sie ein entsprechendes Medikament nehmen (Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure)
    • Bei Erkältungswellen kann häufiges Händewaschen vor Ansteckung schützen.
    • Wenn Sie selbst husten, schützen Sie andere vor einer Ansteckung: Husten / niesen Sie in die Armbeuge und nicht in die offene Hand.

    Wann sollte ich zum Arzt gehen?

    Sollten sich die Symptome verschlimmern oder nach ein bis zwei Wochen nicht abklingen, suchen Sie bitte einen Arzt auf!

  • help Was hilft mir bei Ohrenschmerzen?

    Starke Schmerzen im Ohr?
    Ohrenschmerzen können viele Ursachen haben. Oftmals handelt es sich um eine (akute) Mittelohrentzündung (Otitis media). Weitere Symptome, die auftreten können, sind:

    • Fieber
    • Husten
    • Erbrechen (besonders bei Kindern)
    • allgemeine Abgeschlagenheit

    Die Erkrankung kommt zumeist bei Kindern – seltener bei Erwachsenen – vor und tritt in der Regel zusammen mit oder nach einer Erkältung (grippaler Infekt) auf. Durch die im Rahmen der Erkältung hervorgerufene Entzündungsreaktion in der Atemwegsschleimhaut kommt es zu einer vermehrten Produktion von Flüssigkeit und Schleim. Durch die angeschwollene Schleimhaut können diese entzündlichen Sekrete den Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen nicht mehr frei passieren und sammeln sich im Mittelohr an. Hierbei entsteht ein Druck, der die Ohrenschmerzen verursacht.
     

    Was kann ich selbst tun?

    Etwa 80 Prozent der (akuten) Mittelohrentzündungen heilen ganz spontan von selbst ab. Eine Einnahme von Antibiotika ist in den meisten Fällen nicht notwendig, da die Erkrankung meist durch Viren ausgelöst wird. Gegen Viren sind Antibiotika wirkungslos.

    Mit einfachen Hausmitteln können Sie Ihre Symptome und Schmerzen lindern:

    • Schonen Sie sich.
    • Trinken Sie viel.
    • Nehmen Sie abschwellende Nasentropfen (gemäß Beipackzettel).
    • Setzen Sie wohltuende Wärme (z.B. Rotlicht) ein.
    • Bei Fieber: Machen Sie Wadenwickel.
    • Nehmen Sie ggf. ein Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Paracetamol).

    Wann sollte ich zum Arzt gehen?

    Sollten nach 48 Stunden Fieber und Schmerzen nicht abgeklungen sein, suchen Sie bitte einen Arzt auf!

    Bitte beachten Sie, dass diese Empfehlung nicht für Kleinkinder gilt. Bei Kleinkindern suchen Sie bitte direkt einen Arzt auf.

  • help Was hilft mir bei einer Nasennebenhöhlenentzündung?

    Nase dicht?

    Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume im Schädelknochen, die über eine enge Öffnung mit der Nase verbunden sind. Kommt es im Rahmen einer Erkältung zu einer Entzündungsreaktion in der Atemwegsschleimhaut, wird vermehrt Flüssigkeit und Schleim produziert. Durch die angeschwollene Schleimhaut können diese entzündlichen Sekrete nicht mehr aus den Nasennebenhöhlen abfließen. Dies führt zu einem örtlichen Druckgefühl. Vor allem der Bereich um Nase und Wangenknochen wird besonders druck- und klopfempfindlich. Zudem wird die Nasenatmung erschwert.

    Man spricht dann von einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Neben einer verstopften Nase und einem örtlichen Druckgefühl können auch weitere Symptome auftreten, wie:

    • Riechstörungen
    • Kopfschmerzen
    • allgemeinen Erschöpfungs-/Krankheitsgefühl

    Was kann ich selbst tun?

    In der Regel heilt eine akute Entzündung der Nasennebenhöhlen ganz von allein nach ein bis zwei Wochen ab. Eine Einnahme von Antibiotika ist in den meisten Fällen nicht notwendig, da die Erkrankung meist durch Viren ausgelöst wird. Gegen Viren sind Antibiotika aber wirkungslos.

    Mit einfachen Hausmitteln können Sie Ihre Symptome und Schmerzen lindern:

    • Schonen Sie sich.
    • Trinken Sie viel.
    • Nehmen Sie abschwellende Nasentropfen (gemäß Beipackzettel).
    • Führen Sie Nasenspülungen mit einer hypertonen Salzlösungen durch.
    • Machen Sie ein Dampfbad (38 bis 42Grad).
    • Auch Inhalieren von ätherischen Ölen z.B. aus Eukalyptus kann angenehm sein.
    • Bei Fieber: Machen Sie Wadenwickel.
    • Nehmen Sie bei Bedarf ein Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen oder Paracetamol).

    Wann sollte ich zum Arzt gehen?

    Sollten sich die Symptome verschlimmern oder nach ein bis zwei Wochen nicht abklingen, suchen Sie bitte einen Arzt auf!

  • help Was hilft mir, wenn es beim Wasserlassen brennt?

    Brennen beim Wasserlassen?

    Vermutlich handelt es sich um eine (akute) Harnwegsinfektion - auch als Blasenentzündung bekannt. Hierbei gelangen Bakterien über die Harnröhre in die Harnblase und verursachen eine Entzündung der Schleimhaut. Dies kann dazu führen, dass der Drang zum Wasserlassen besteht, obwohl die Harnblase noch nicht gänzlich mit Urin gefüllt ist. Somit kommt es zu einem häufigen Bedürfnis des Wasserlassens mit nur kleinen Mengen. Das Gefühl des Brennens beim Wasserlassen entsteht durch die Entzündungsreaktion der Harnröhre, welche zudem auch krampfartige Unterbauchschmerzen verursachen kann.

    Die Erkrankung tritt bei Frauen sehr viel häufiger auf als bei Männern. Grund dafür ist die deutlich kürzere Harnröhre. Neben dem Geschlecht hat aber auch das Alter einen Einfluss auf die Häufigkeit des Auftretens der Erkrankung. Mit steigendem Alter nimmt auch das Risiko für die Erkrankung zu.

    Was kann ich selbst tun?

    Nach einer Woche sind von 10 akuten Harnwegsinfektionen 3 bis 5 abgeheilt, ohne dass ein Antibiotikum eingesetzt wurde.

    Wenn Sie unter eher leichten oder mittelgradigen Beschwerden leiden, können Sie zunächst versuchen, Ihre Symptome durch folgende Hausmittel zu lindern:

    • Trinken Sie viel (z.B. Bärentraubenblätterextrakt).
    • Setzen Sie Wärme (z.B. Wärmekissen) ein.
    • Bei leichten oder mittleren Beschwerden können Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen) oder krampflösende Mittel Erleichterung verschaffen.

    Wann sollte ich zum Arzt gehen?

    Sollten die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen weiterhin anhalten, sich verschlimmern oder weitere Symptome wie z.B. Fieber hinzukommen, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Da Bakterien häufig die Ursache für eine akute unkomplizierte Harnwegsinfektion sind, kann die Behandlung mit einem geeigneten Antibiotikum notwendig sein, um ein schnelleres Abklingen der Symptome zu erreichen. Sollte Ihr Arzt Ihnen ein Antibiotikum verschreiben, nehmen Sie dies bitte so ein, wie es verordnet wurde.

Weitere Sprachen

In diesem Abschnitt finden Sie eine Reihe von nützlichen Informationen in arabisch, türkisch und russisch.

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    Burada antibiotikleri en doğru kullanabilmek için gerkli bilgileri buluyorsunuz. Amaç antibiotike dirençli bakterilerin ürümesi/doğmasına ortam bıraktırmamaktır.